Beim 9. GWT Open House
Gäste des 9. Open House beim Rundgang durch den DRK-Blutspendedienst Ost
Prof. Dr. Torsten Tonn, Ärztlicher Geschäftsführer des DRK-Blutspendedienstes Ost
Claus Peter Held (Geschäftsführer GWT-TUD GmbH) Wilfried E. B. Winzer (Kaufmännischer Vorstand Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden) und Dr. Reinhard Kretzschmar (Geschäftsführer DRESDEN INTERNATIONAL UNIVERSITY)
„Blut ist ein ganz besonderer Saft.“ Mit diesem Zitat aus Goethes Faust I begann Prof. Dr. Torsten Tonn, Ärztlicher Geschäftsführer des DRK-Blutspendedienstes Ost seinen Vortrag beim 9. GWT Open House. Für die rund 60 Teilnehmer folgte ein spannender Überblick über die lange Geschichte der Transfusionsmedizin, der Blutspende und Übertragung von Blut und Blutbestandteilen von Mensch zu Mensch. So tranken die Gladiatoren der Antike das Blut jüngerer Menschen, um selbst eine Verjüngung zu erreichen. Im Mittelalter hingegen setzte man mit dem Aderlass auf die reinigende Wirkung des Blutverlustes. 1666 kam es schließlich zur ersten Bluttransfusion, zunächst im Tiermodell von Hund zu Hund. Ziel des Experiments war, eine Methode zu finden, die den Blutverlust von Wöchnerinnen ausglich. Ein Jahr später folgte die Übertragung von Lammblut auf den Menschen. Aufgrund der vielen Todesfälle war die Transfusionstherapie jedoch umstritten. 1825 übertrug der englische Geburtshelfer James Blundell erstmals erfolgreich menschliches Blut auf eine Wöchnerin, die an starkem Blutverlust litt. Die Methode setzte sich langsam durch, obwohl im Schnitt nur jede zweite Transfusion erfolgreich verlief. 1901 entdeckte der österreichische Pathologe und Serologe Karl Landsteiner die verschiedenen Blutgruppen. 1910 begannen die sogenannten Agglutinationsuntersuchungen, durch die ein Verklumpen zweier Blute ausgeschlossen wurde.
Prof. Tonn erläuterte außerdem, wie Spenderblut in die Komponenten Erythrozyten (rote Blutkörperchen), Thrombozyten (Blutplättchen) sowie Plasma (flüssiger, zellfreier Teil des Blutes) getrennt wird. „Die heutigen Laboruntersuchungen bieten die höchstmögliche Sicherheit“, sagte der Ärztliche Geschäftsführer des DRK-Blutspendedienstes Ost. Denn bereits im Vorfeld werden die potenziellen Spender genau geprüft. Ausschlusskriterien gibt es viele. So dürfen Menschen, die an bestimmten Erkrankungen leiden, zuvor in Malaria-Gebieten waren oder lange in England gelebt haben (wegen des früheren starken BSE-Aufkommens) ihr Blut nicht spenden. Blutspenden, die zugelassen werden, durchlaufen umfangreiche Tests. Dazu gehören beispielsweise Untersuchungen auf Hepatitis B und C sowie HIV. Seit 1997 bietet die Molekularbiologie spezielle Untersuchungen, die mit dazu geführt haben, dass, so Torsten Tonn, „Blut heute so sicher ist wie noch nie“.
Tonn gab auch einen Ausblick auf die moderne Hochleistungsmedizin mit Forschungsprojekten zu Stammzellübertragung bei Herzinfarkten, die eine Regeneration durch Gefäßneubildung bewirkt und dafür sorgt, dass der Herzmuskel nicht so stark vernarbt. Hoffnung für Menschen, die an Krebs erkrankt sind, könnte zukünftig eine Therapie sein, bei der natürliche Killer-Zellen die Tumorzellen vernichten.
Beim anschließenden Rundgang zeigte die Leiterin der Blutherstellung, Oberärztin Dr. Christiane Hübler, die vielen Untersuchungs- und Produktionsstationen, die das Spenderblut durchlaufen muss, bis es Leben retten darf. Dazu gehört beispielsweise auch das Tieffrieren von Blutplasma, das bei minus 30 Grad gelagert wird. „Die Arbeitsmoral der Mitarbeiter, die im Schichtdienst 24 Stunden täglich an sieben Tagen in der Woche arbeiten, ist hoch“, so Hübler. Damit nichts von dem kostbaren Lebenssaft durch Herstellungsfehler verloren geht. Dr. Christiane Hübler: „Außerdem zollen wir damit den Menschen Respekt, die zu uns kommen, um ihr Blut zu spenden.“
Die DRK-Blutspendedienste leisten bundesweit 75 bis 80 Prozent der benötigten Blutprodukte sowie des Services rund um diese Produkte. Dazu gehört auch eine Knochenmarkspenderdatei. 50.000 Einträge weist diese allein beim DRK-Blutspendedienst Ost auf. Jährlich erfolgen daraus 30 bis 50 Entnahmen, die Menschen mit Leukämie helfen sollen. Auch der Bedarf an Blutspenden wächst weiter, trotz blutsparender Herstellungsverfahren. Denn die Zahl der chirurgischen Eingriffe nimmt zu. Nur fünf bis zehn Minuten dauert eine Vollblutspende.
Nach Vortrag und Rundgang waren einige der GWT-Open-House-Teilnehmer entschlossen, zum Blutspenden wiederzukommen - wie auch die Autorin dieses Artikels. Und so klang die Veranstaltung aus – wie sie begonnen hatte – mit einem Literaturzitat. „Wenn jeder dem anderen helfen wollte, wäre allen geholfen“ (Marie von Ebner-Eschenbach), war auf den DRK-Servietten am Büffet zu lesen.
Das GWT Open House ist eine Begegnungsstätte für Kooperationspartner, Kunden und Mitarbeiter der GWT. Die Wissenschaftler und Unternehmensvertreter nutzen das Treffen auch, um untereinander Kontakte zu knüpfen. Zudem bietet jedes GWT Open House - von Technik über Medizin bis zu fachübergreifenden Vorträgen - verschiedene Themen. Treffpunkt ist jedes Mal an einem anderen Ort.