6. GWT Open House...
... gab das Gefühl, aufgenommen zu sein: Das Zentrum für Klinische Studien der GWT präsentierte sich in neuem Design.
Strahlendes Sonnengelb und helles Grüngelb empfingen die etwa 50 Besucherinnen und Besucher des 6. GWT Open House am Mittwoch, dem 7. Oktober. Der Raum, in dem die beiden Farben neue Weite und freundliche Atmosphäre vermitteln, ist der Patienten-Wartebereich des Zentrums für Klinische Studien der GWT (ZKS). Mehr als 9000 Patientinnen und Patienten haben hier seit Eröffnung des Zentrums im Jahr 2000 schon auf ihre Behandlung gewartet, so Direktor Prof. Dr. Markolf Hanefeld in seiner Begrüßungsrede. Jetzt präsentiert sich das Zentrum in neuem Design. „Wir wollten den Patienten auch räumlich das Gefühl geben, gut aufgenommen zu sein“, so Beate-Victoria Ermisch, Prokuristin der GWT. „Viele von ihnen verbringen oft mehrere Stunden hier. Da sollen sie sich so wohl wie möglich fühlen.“
Die optischen Voraussetzungen dafür geschaffen haben Prof. Christoph Schulten vom Lehrstuhl für Baukonstruktion und Gebäudeerhaltung der Fakultät Architektur an der TU Dresden und seine Mitarbeiter Florian Schneider und Wolfgang Kurtz. Gemeinsam mit elf Architektur-Studierenden haben sie den 70 Meter langen Gang, der das Zentrum durchzieht, neu strukturiert. Dafür haben sie den Gang mit unterschiedlichen Farben in Räume der Ruhe und der Aktivität unterteilt. So kommt der Anmeldebereich – gestaltet in der Signalfarbe Orange – dem Besucher optisch entgegen. Dabei wird der Blick direkt auf eine senkrecht nach oben weisende orangefarbene Säule gelenkt, aus der in weißem Licht das Wort „Anmeldung“ leuchtet. Und weil auch die Schrift senkrecht zu lesen ist, unterbricht die Säule optisch den langen Gang. Das Gelb des Fußbodens vor der Anmeldungstheke trägt zusätzlich zum Gefühl bei, dass hier ein neuer Raum entstanden ist.
Prof. Schulten und sein Team haben schon mehrere Bau- und Umbaupläne in den Räumen der GWT umgesetzt, beispielsweise in der Palliativ-Station sowie im Eingangsbereich der Büroräume in der Fiedlerstraße. Beate-Victoria Ermisch: „Wir besprechen mit den Architekten, welchen Anforderungen und Bedürfnissen die Räume entsprechen sollen und lassen uns von den Ideen der Experten überraschen. Bislang konnten sie uns immer überzeugen.“ Und auch hier, im Zentrum für Klinische Studien, lagen die Architekten der TU mit ihren Gestaltungsideen richtig, wie deutlich an den entspannten und fröhlichen Gesichtern der Besucher des 6. GWT Open House zu erkennen war. Dabei hatten Schulten und seine Studenten diesmal eine echte Hürde zu meistern, denn das finanzielle Budget für die Umgestaltung war begrenzt. Doch sie nahmen die Herausforderung an und konnten nach Tagen und Nächten anstrengender Arbeit ein professionelles Resultat vorweisen. So waren die Anwesenden überrascht zu hören, dass die Studierenden die Säule mit den Leuchtbuchstaben eigenhändig aus einem Kunststoff-Ablussrohr zurechtgeschnitten und die Sessel mit den schwarzen Lederkissen, die an Designermöbel erinnern, sowie die Ablagefächer im Wartebereich selbst mit Säge und Bohrer gebaut hatten.
Beate-Victoria Ermisch wünscht sich auch für die Zukunft eine Zusammenarbeit mit den Dresdener Architekten. Für die Prokuristin symbolisiert diese Form der Kooperation die enge Vernetzung zwischen der Technischen Universität und der GWT.
Um Gestaltung ging es auch in einem zweiten Vortrag: um die Gestaltung von Medizintechnik. Jens Krzywinski vom Zentrum für Technisches Design der TU Dresden erläuterte, dass Konstruktion und Formgebung zusammen gehören, damit ein neues technisches Produkt mit bestmöglichem Nutzen entstehen kann. So werden am Lehrstuhl Konstruktionstechnik/CAD Maschinenbauingenieure mit Designkompetenz ausgebildet. Einer von ihnen ist Jens Krzywinski. An Beispielen aus der Medizintechnik stellte er die Arbeit der Dresdener Designingenieure vor. So haben sie eine neuartige Zange für laparoskopische - minimalinvasive - Operationen entwickelt, die das Arbeiten des Chirurgen erleichtern soll. Neu am Entwurf ist die Greif- und Arbeitshaltung. Jens Krzywinski: „Die bisher üblichen laparoskopischen Zangen werden vom Operateur oder der Operateurin wie eine Schere bedient. Das bedeutet, dass der Daumen zum Arbeiten mit der Zange abgeknickt nach unten gedrückt wird und sich dadurch die Hauptarbeitsrichtung des Werkzeugs neben der Achse des Unterarms befindet.“ Und das ist nach Ansicht des Designingenieurs ergonomisch ungünstig und erschwert das Operieren. Bei der neuen OP-Zange folgt der Griff der natürlichen Arbeitsbewegung der Hand. Das Instrument ist so konstruiert, dass der Daumen in seiner natürlichen Position nach vorne bewegt wird, um die Zange zu bedienen. Dabei umschließen zwei Finger die OP-Lanze, sodass das dünne Instrumentenrohr fast automatisch die Verlängerung des Arms des Chirurgen bildet. Damit ist ein Produkt entstanden, dass dem Arzt die Arbeit körperlich erleichtert und damit zur Sicherheit im OP beiträgt.
Vor dem Entwurf eines neuen technischen Produktes steht für Krzywinski und seine Kollegen die Frage nach Sinn und Nutzen des zu konstruierenden Gegenstands. Und die liegt für die Designingenieure vor allem in der Erfüllung der Bedürfnisse der zukünftigen Nutzer. Aus diesen Bedürfnissen ergeben sich die Anforderungen an das technische Gerät. Das Greifen und Begreifen spielt dabei eine wichtige Rolle, wie beispielsweise bei der laparoskopischen Zange. Bis zu hundert Modelle konstruieren die Dresdener Designexperten, bis sie mit dem Entwurf zufrieden sind.
Im Anschluss an die Vorträge sorgten Friedemann Seidels (Klarinette) und Michael Kaden (Akkordeon) mit Tango-Rhythmen für eine angeregte Stimmung bei den Gästen. Das GWT Open House findet einmal im Monat statt. Es ist Treffpunkt für Kooperationspartner und Kunden der GWT - zumeist Wissenschaftler und Unternehmensvertreter - die hier untereinander Kontakte knüpfen können.
Susanne Witzigmann